ST.GALLER TAGBLATT „MAN SAGT, WIR SPINNEN“

ST.GALLEN. DANIELA WEBER UND IHR MANN JACQUES-MICHEL CONRAD FINANZIEREN DIE 1,7 MILLIONEN FRANKEN TEURE HUNDESPORTHALLE IM SCHILTACKER. FÜR SIE KAUM DER REDE WERT: «ANDERE KAUFEN MOTORBOOTE.»

RALF STREULE

Bevor es zum Fototermin ins Schiltacker-Gebüsch geht, holt Jacques-Michel Conrad die drei Border Collies aus dem Auto. Der Fotograf, der direkt von einer Beerdigung kommt, hat Pech gehabt. «Lucky mag schwarzgekleidete Menschen nicht», warnt Conrad. Prompt bellt Lucky los. Der junge Rüde sei halt noch «etwas triebig», erklärt der Hundehalter.

Kein Wunder. So «triebig» der Hund, so umtriebig seine Herrchen. Der 56jährige Conrad und seine um 16 Jahre jüngere Frau Daniela Weber haben im Alleingang geschafft, was Hundsportvereine vergeblich versuchten. Sie fanden einen Platz für eine Hundesporthalle und beschafften für den Bau 1,7 Millionen Franken. 55 auf 25 Meter gross wird die Halle: Visiere im Schiltacker zeigen die Dimension des kürzlich von der Stadt bewilligten Baus. Bis Ende Jahr soll er stehen (Ausgabe vom 25. Mai).

DREI ZUTATEN FÜR DIE HALLENIDEE

Das Paar nimmt nebenan im Restaurant der Schiltacker-Tennishalle Platz. Beide im Freizeitlook. Die bodenständigen Hündeler nimmt man ihnen schnell ab – die mutigen «Grossinvestoren» erst auf den zweiten Blick.

«Freunde bezeichnen uns manchmal als Spinner», sagt Daniela Weber und lacht. Aber die Idee mit der Halle habe sich einfach ergeben, sei gewachsen und selbstverständlich geworden. Gebraucht habe es dafür drei Zutaten: erstens ihre Hundesportkenntnisse. Sie verfiel vor zehn Jahren dem Hindernissport Agility, heute reist sie an Wettkämpfe, hin und wieder auch ins Ausland. Zweitens war da Conrads Drang, Ideen ohne Umschweife in die Tat umzusetzen. Und drittens: die finanziellen Möglichkeiten.

«RISIKO IST KALKULIERBAR»

«Natürlich tönen 1,7 Millionen Franken nach viel Geld», sagt Conrad. Dank eines guten Konzepts sei ein Bankkredit zugesichert, der Rest stamme aus Erspartem. «Für ein kinderloses Paar ist das machbar, das Risiko kalkulierbar.» Conrad arbeitete früher als Oberstufenlehrer, Daniela Weber machte sich früh im Immobilienbereich selbständig. Heute betreiben die beiden in St. Gallen eine Immobilienverwaltung mit Schwergewicht «gemeinnützige Wohnbauträger» – ein weiterer Teil ihres sozialen Engagements. Auch unterstützen sie immer wieder Vereine finanziell.

Dennoch wollen sich die beiden nicht als Wohltäter feiern: Im Gespräch relativieren sie ihre Anstrengungen, wiegeln ab, zucken mit den Schultern: «So was tut man halt einfach. Andere kaufen sich ein Motorboot oder einen Porsche, solche Sachen sagen uns nichts», sagt Conrad.

ZIEL IST AUSGEGLICHENE RECHNUNG

Das Ehepaar will die Halle an Vereine und Private vermieten. Der Bedarf sei ausgewiesen, sagt Daniela Weber. «Die wenigen Hundehallen in der Schweiz sind oft ausgebucht.» Ziel sei aber nicht, mit der Anlage das grosse Geld zu machen. Die Preise werde man tiefhalten, eine finanzielle Nullrechnung anpeilen. Denn, unabhängig von der Rendite: Es gebe nichts Schöneres, als ein eigenes Projekt umzusetzen, sagen beide.

In den 1990er-Jahren war Conrad Präsident der städtischen LdU. Solche «schnelle, konkrete Resultate» hätten ihm damals gefehlt, sagt er. Dennoch möchte er die Zeit in der Politik nicht missen. Sie habe ihn schliesslich auch mit seiner Frau zusammengebracht.

KENNENGELERNT IM «FILOU»

Daniela Weber arbeitete Anfang der 1990er-Jahre im Anwaltsbüro von Elmar M. Jud, einem möglichen Konkurrenten der LdU im Rennen um einen Stadtratssitz. Conrad habe die junge Dame im «Filou» angesprochen, eigentlich um herauszufinden, ob Jud für den Stadtrat kandidiere. So hat man sich kennengelernt.

Der Ehemann lehnt sich im Stuhl zurück und lässt den Blick über die Indoor-Tennisplätze schweifen. «Auch das wäre eine schöne Halle für Hundesport», sagt er. Seine Frau schüttelt den Kopf und lacht: «Er hat täglich zehn Ideen.» «Nein, im Ernst», findet er. «Hier in der Umgebung müsste es noch mehr Platz für Hundesportler geben.» Längst ist auch er eingefleischter Hündeler geworden.